Wenn die Tage kürzer werden, wächst die Lust auf Geschichten mit Kerzenlicht, Schnee und Tannenduft. Das Schöne: Viele der bekanntesten deutschsprachigen Weihnachtsgeschichten sind gemeinfrei. Du darfst sie kostenlos lesen, vorlesen und weitergeben, zum Beispiel über die digitale Bibliothek Projekt Gutenberg-DE.
Gemeinfrei heißt in Deutschland: Das Urheberrecht erlischt siebzig Jahre nach dem Tod der Autorin oder des Autors, gezählt ab dem Ende des Todesjahres (§ 64 und § 69 Urheberrechtsgesetz). Alle fünf Schriftsteller auf dieser Liste sind seit mehr als hundert Jahren tot, und alle Texte sind auf Deutsch geschrieben. Bei Übersetzungen, etwa von Charles Dickens oder Hans Christian Andersen, ist das anders: Dort kann die Übersetzung noch geschützt sein. Deshalb fehlen sie hier.
1. Nußknacker und Mausekönig – E. T. A. Hoffmann
Am 24. Dezember warten Fritz und Marie, die Kinder des Medizinalrats Stahlbaum, ungeduldig auf die Bescherung. Ihr Pate Droßelmeier, ein Obergerichtsrat mit Glasperücke und Augenklappe, baut jedes Jahr ein mechanisches Kunstwerk für sie. Aus diesem Weihnachtsabend entwickelt Hoffmann ein fantastisches Märchen, das weit mehr zu bieten hat als die bekannte Ballettfassung. Hoffmann veröffentlichte die Geschichte 1816, er starb 1822 in Berlin.
Ideal für dich, wenn du das Original hinter dem Nussknacker kennenlernen willst. Zum Vorlesen eignet es sich eher für ältere Kinder, denn Hoffmann erzählt verschachtelt und manchmal unheimlich.
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2. Bergkristall – Adalbert Stifter
Die Geschwister Konrad und Sanna besuchen am Heiligen Abend ihre Großmutter in Millsdorf, jenseits eines Bergrückens. Auf dem Heimweg nach Gschaid fällt dichter Schnee, die beiden verlieren den Weg und geraten auf einen Gletscher. Die Nacht verbringen sie in einer steinernen Höhlung, bis am Morgen die Leute aus dem Dorf nach ihnen suchen. Stifter erzählt ruhig und genau, und gerade diese Ruhe macht die Geschichte so spannend.
Die Erzählung erschien zuerst 1845. Stifter starb 1868. Bergkristall ist die richtige Wahl, wenn du eine stille, ernste Weihnachtsgeschichte suchst, die ohne Kitsch auskommt.
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3. Unter dem Tannenbaum – Theodor Storm
Der Amtsrichter Paul, seine Frau Ellen und ihr etwa zehnjähriger Sohn Harro feiern Weihnachten in der Fremde. Ein bärtiger Bote bringt ihnen einen Tannenbaum aus einem fernen Wald, und Harro ist überzeugt, Knecht Ruprecht vor sich zu haben. Unter dem Baum erinnern sich die Eltern an die alte Heimat: an das steinerne Elternhaus, die Großeltern und einen Weihnachtsbaum mit goldenen Eiern.
Storm, der Autor des „Schimmelreiters“, lebte von 1817 bis 1888. Diese Novelle ist leise und ein wenig wehmütig. Sie passt gut zu allen, die Weihnachten fern von zu Hause verbringen.
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4. Der Weihnachtsfund – Hermann Kurz
Weihnachtsabend im Gasthaus „Im roten Löwen“: Der Knecht Erhard verlässt seinen Dienst, und der Wirt bietet ihm einen Hof an, wenn er die Magd Justine heiratet. Doch Justine sagt Nein. Während der alte Oberknecht den Schantiklas spielt, erzählen die Knechte von Geistern, vom wilden Jäger und von einem Schatz am Kreuzweg, bevor alle zur Mitternachtsmesse gehen.
Kurz schrieb diese schwäbische Dorfnovelle 1855, sie erschien zu Weihnachten desselben Jahres. Er starb 1873 in Tübingen. Der Weihnachtsfund ist die Entdeckung auf dieser Liste: weniger bekannt, aber mit viel Dorfleben, Aberglauben und einer Liebesgeschichte.
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5. Heilige Nacht – Ludwig Thoma
Thoma erzählt die Weihnachtsgeschichte neu, in Versen und in bairischer Mundart. Joseph und Maria werden auf dem Weg nach Bethlehem in mehreren Wirtshäusern und sogar bei einem Verwandten abgewiesen. Erst der arme Simmei nimmt sie in seinem Stall auf. Am Ende sind es die Armen, die dem Kind etwas schenken.
Der Text ist in sechs „Hauptstücke“ gegliedert, dazwischen stehen Lieder. Thoma starb 1921 am Tegernsee. Heilige Nacht entfaltet laut gelesen die größte Wirkung, am besten in der Familie, und am schönsten mit jemandem, der Bairisch kann.
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So findest du weitere gemeinfreie Texte
Bevor du eine alte Geschichte als „gemeinfrei“ weitergibst, prüf zwei Dinge: Ist die Autorin oder der Autor vor mehr als siebzig vollen Kalenderjahren gestorben? Und liest du das deutschsprachige Original und keine Übersetzung? Wenn beides stimmt, kannst du den Text frei nutzen. Neue Vorworte, Illustrationen oder Bearbeitungen in modernen Ausgaben können allerdings eigene Rechte haben.
Quellen
- Projekt Gutenberg-DE: E. T. A. Hoffmann, Nußknacker und Mausekönig und Kapitel „Der Weihnachtsabend“, abgerufen am 27.10.2026
- Projekt Gutenberg-DE: Autorenseite E. T. A. Hoffmann, abgerufen am 27.10.2026
- Projekt Gutenberg-DE: Adalbert Stifter, Bergkristall und Kapitel 3, abgerufen am 27.10.2026
- Projekt Gutenberg-DE: Autorenseite Adalbert Stifter, abgerufen am 27.10.2026
- Projekt Gutenberg-DE: Theodor Storm, Unter dem Tannenbaum (Sämtliche Werke, Zweiter Band), abgerufen am 27.10.2026
- Projekt Gutenberg-DE: Autorenseite Theodor Storm, abgerufen am 27.10.2026
- Projekt Gutenberg-DE: Hermann Kurz, Der Weihnachtsfund, Einleitung und Kapitel 2, abgerufen am 27.10.2026
- Projekt Gutenberg-DE: Autorenseite Hermann Kurz, abgerufen am 27.10.2026
- Projekt Gutenberg-DE: Ludwig Thoma, Heilige Nacht, abgerufen am 27.10.2026
- Projekt Gutenberg-DE: Autorenseite Ludwig Thoma, abgerufen am 27.10.2026
- Urheberrechtsgesetz §§ 64 bis 69 (Schutzdauer, Fristberechnung), abgerufen am 27.10.2026
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