„Der sogenannte G.O.A.T. ist tot und ich bin derjenige, der ihn hat erschießen lassen.“ Selten hat ein Roman so kompromisslos begonnen – und so leise weitergemacht.

Worum es geht: ein Gesellschaftsroman, der beim Applaus ansetzt

Ein Superstar ist tot, gefällt wie ein Baum. Die Welt zählt weiter Rekorde, verehrt weiter Ikonen. Und irgendwo, weit weg vom Scheinwerferlicht, kümmert sich Bea um Ella – ein Kind, das gerade erst das Licht der Welt erblickt hat und schon ohne Eltern dasteht, weil mit der Nabelschnur auch die Verbindung zur vorgesehenen Mutter gekappt wurde. Zur selben Zeit surft Maxx die besten Wellen, während David in seinem Elfenbeinturm lauscht, wie Nick Caves Bad Seeds im Dunkeln keimen.

Maximilian Gutersohn legt diese Leben nebeneinander wie Schichten, nicht wie Kapitel einer geraden Handlung. Aus der Montage entsteht ein Gesellschaftsroman, der eine einzige, unangenehm präzise Frage umkreist: Wer zählt wie viel? Im Schatten eines weiteren schönen Morgens eskaliert das Gerangel um Anerkennung – und je weiter Du liest, desto deutlicher wird, dass die roten Linien, die dabei überschritten werden, längst niemand mehr genau benennen kann.

Was das Buch bewusst nicht tut: Antworten servieren. Es stellt seine Figuren nebeneinander und überlässt Dir das Urteil. Genau darin liegt sein Reiz.

Für wen dieser tiefgründige Roman gemacht ist

Wenn Du Gegenwartsliteratur suchst, die Form riskiert, bist Du hier richtig. Vier Erzählstränge, ein schroffer Einstiegssatz, ein Titel, der sich nicht sofort erklärt – dieses Buch verlangt Aufmerksamkeit und belohnt sie. Es ist ein Roman für Menschen, die von glattem Erzählkino genug haben und lieber mitdenken, als geführt zu werden.

Ebenso spricht der Text alle an, die mit Unbehagen beobachten, wie Reichweite, Leistung und Rekorde zum Maßstab menschlicher Wertigkeit geworden sind – im Job, in den Medien, in der eigenen Timeline. Wo Sachbücher über die Leistungsgesellschaft analysieren, geht dieser Roman näher heran: an das, was das Zählen mit den Gezählten macht. Und mit den Nichtgezählten.

Und dann sind da die Stillen. „Wie rebellieren die Stillen, wenn sie sich nicht mehr unterdrücken lassen?“ – diese Frage steht wie ein Versprechen über dem Buch. Wenn Du zu den Leserinnen und Lesern gehörst, die es leid sind, dass Lautstärke mit Bedeutung verwechselt wird, wirst Du in Bea eine Figur finden, die Fürsorge zur Haltung macht. Ihre Form von Widerstand kommt ohne Megafon aus.

Nicht zuletzt: Wer zwischen Popkultur, Sportmythen und Nick Cave zu Hause ist, erkennt hier einen Ton wieder, der in der Literatur selten ist. Die Referenzen dekorieren nicht, sie tragen.

Was diesen Roman über Ruhm und Anerkennung besonders macht

Es ist die Reibung zwischen Härte und Zärtlichkeit. Der Einstiegssatz ist brutal, der Blick auf ein neugeborenes Kind, das niemand erwartet hat, ist es nicht. Gutersohn erzählt vielstimmig und wechselt die Tonlagen, ohne dass der Text auseinanderfällt – das Dunkle bekommt Raum, aber es bleibt nicht allein.

Der Roman ist außerdem angenehm unbequem: Er kommentiert Ruhm, Medienlogik und den Kampf um Anerkennung, ohne sich moralisch über seine Figuren zu stellen. Maxx auf der perfekten Welle ist keine Karikatur, David im Elfenbeinturm kein Feindbild. Diese Weigerung, es sich einfach zu machen, ist der Grund, warum das Buch nach der letzten Seite weiterarbeitet – und warum es sich als Lesekreis-Lektüre geradezu anbietet.

Ein möglicher Satz des Autors zu seinem Buch – als Vorschlag, nicht als belegtes Zitat: „Mich interessiert nicht, wer den Rekord hält. Mich interessiert, wer im Schatten steht, während wir ihn feiern.“

Über den Autor

Maximilian Gutersohn schreibt vielstimmige, literarisch ambitionierte Gegenwartsliteratur, die popkulturelle Referenzen ernst nimmt und gesellschaftliche Fragen nicht auflöst, sondern zuspitzt. Im Schatten eines weiteren schönen Morgens liegt als Taschenbuch vor. [Weitere Angaben zur Vita des Autors – frühere Veröffentlichungen, Wohnort, Beruf?] [Verlag und Erscheinungsjahr?]

Unser Buchtipp

Im Schatten eines weiteren schönen Morgens ist kein Buch für nebenbei – aber eines, über das Du reden willst, sobald Du es zugeklappt hast. Wenn Du einen tiefgründigen Roman suchst, der Leistungsdruck, Ruhm und leise Stärke zusammendenkt, lohnt sich der Griff zu diesem Taschenbuch. Lass Dich ziehen in eine Welt, die dort beginnt, wo der Applaus verstummt.

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