Jeder, der Francis Edens Bücher kennt, weiß: Man liest sie nicht einfach nur, man versinkt in ihnen. Ihre Geschichten haben diesen besonderen Sog – sie lassen einen einfach nicht los, bis die letzte Seite gelesen ist. Heute werfen wir einen Blick hinter die Kulissen ihres neuesten Werks und sprechen darüber, wie ihre Welten entstehen, welche Themen sie immer wieder antreiben und warum es manchmal erst ein bisschen Chaos braucht, bevor etwas „eklig schön“ werden kann.

 

Francis, bei deinem neuen Titel spürt man schon auf den ersten Seiten eine ganz eigene, fast greifbare Spannung. Wie findest du diesen speziellen Sound deiner Geschichte – noch bevor der erste Satz steht?

Ich habe oftmals eine lange Phase der Ideenfindung und des Plottens, damit die Idee reifen kann. Meine Geschichten brauchen diesen Reifeprozess oft, um mehr Substanz zu bekommen. Bei The Lovely Side of Death war schon zum Schreibstart von Band 1 klar, dass der Ton von Band 2 etwas anders werden würde. Aus Gründen. Und ich wusste bereits von Anfang an, dass ich keine bösartige Unterwelt wollte. Ich wollte Magie und noch mehr Studio-Ghibli-Vibes.

 

Wenn dein neues Buch ein Versprechen an die Leser wäre: Welches Geheimnis würdest du ihnen schon jetzt zuflüstern, damit sie heute noch anfangen müssen zu lesen?

Es macht das Ende von Band 1 wieder gut. Irgendwann. Nach viel Chaos. Aber es wird eklig schön, versprochen.

 

Deine Charaktere wirken oft so, als würden sie ihre eigenen Dämonen mit in die Handlung bringen. Welcher Teil deiner eigenen Persönlichkeit durfte in diesem Buch einmal das Kommando übernehmen?

Charaktere leben von ihren persönlichen Ecken und Kanten. Ich glaube, viele People Pleaser werden den Moment genießen, in dem Dee merkt, dass sie ihre Magie einsetzen kann, um einem Dämon den Hintern zu versohlen. Sie kann ihn ja schlecht töten. Und ja, ich gehöre zu diesen People Pleasern.

 

Man merkt deinen Texten an, dass du keine Angst vor großen Emotionen hast. Gibt es ein Thema, das dich als Mensch so sehr umtreibt, dass du es immer wieder in deine Bücher webst?

Ungerechtigkeit.

 

Social Media verlangt heute, dass Autorinnen und Autoren ständig präsent und nahbar sind. Wenn du für einen Tag alle Regeln des Autoren-Influencer-Daseins ignorieren könntest: Was würdest du am liebsten aus deinem Alltag streichen?

Da ich nur nebenberuflich schreibe – also nach einem überdurchschnittlich umfangreichen Vollzeitjob –, müsste ich wohl erst den streichen. Social Media geht irgendwann in den Alltag über, ich verteufle diesen Part des Autorenalltags tatsächlich weniger als viele andere. Denn ich weiß: Ohne Social Media würde einfach niemand mein Buch kennen. Kurz gesagt: Ich mag meinen Job und das Vermarkten meiner Bücher. Ich könnte Schlaf streichen, aber mein Gehirn funktioniert mit Schlaf einfach besser.

 

Hand aufs Herz: Welche Stelle in deinem neuen Buch hast du dir beim Schreiben besonders erkämpft? Gab es einen Moment, in dem du kurz davor warst, den Laptop zuzuklappen?

Keine direkte Stelle – das hatte ich so eigentlich nie. Denn wenn eine Stelle nicht sitzt, hat das Gründe. Die kann man hinterfragen und das Problem anschließend aktiv angehen. Aber in der ersten Rohfassung war das Ende ein bisschen … mau. Meine Lektorin würde sagen: „ausgespuckt“. Könnte aber auch daran liegen, dass ich im Zug auf dem Weg zur Frankfurter Buchmesse war und fertig werden musste. Nach meiner Lektoratsrunde waren dann aber alle happy.

 

Zum Abschluss: Was bleibt nach diesem Gespräch?

Vielleicht genau das, was Francis Edens Geschichten so besonders macht: Sie entstehen nicht aus schnellen Einfällen, sondern aus Ideen, die reifen dürfen. Aus Figuren mit Ecken, Kanten und inneren Kämpfen. Aus Magie, Ungerechtigkeit, Humor – und aus dem Mut, selbst ein maues Ende noch einmal anzupacken, bis daraus etwas wird, das die Leserinnen und Leser nicht mehr loslässt.