Kinderbücher haben eine magische Kraft: Sie entführen uns in fremde Welten, bringen uns zum Lachen und schenken uns wichtige Botschaften fürs Leben, die wir nie wieder vergessen. Mit ihrem neuen Kinderbuch „Pustelliese und die verkehrte Welt“ hat die Autorin Ingrid Schliebusch genau so ein Werk geschaffen – eine Geschichte voller Herz, Fantasie und einer gehörigen Portion liebenswerter „Verkehrtheit“.
Wir wollten genauer wissen, wie diese wunderbare Welt entstanden ist, und haben Ingrid Schliebusch zum Interview getroffen. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, was ihr Buch so besonders macht, was es mit dieser „verkehrten Welt“ auf sich hat und warum „Pustelliese“ in keinem Kinderzimmer fehlen sollte.
Ein gutes Kinderbuch fasziniert die Kleinen und berührt die Großen, die es vorlesen. Was war der allererste Funke oder der Gedanke, aus dem heraus die Welt von „Pustelliese und die verkehrte Welt“ entstanden ist?
Der erste Gedanke war, wie es ist, wegen eines Makels, der andere stört, ausgegrenzt zu werden. Pustelliese hat Warzen, die zu ihr gehören, weil sie ein Warzenschwein ist. Sie ist traurig und zieht sich zurück, weil die anderen Schweine sie nicht akzeptieren. Dann verändert sich ihre Welt über Nacht. Alles ist anders. Die Ausgrenzung ist mit einem Mal kein Thema mehr. Pustelliese verändert sich im Verlauf der Geschichte. Sie wächst innerlich und gewinnt an Selbstbewusstsein. Ihre Sicht auf ihre Welt verändert sich und damit auch die Sicht der anderen Tiere auf sie.
Gab es beim Schreiben ein bestimmtes Kapitel oder eine Szene in dieser „verkehrten Welt“, bei der du dachtest: „Wenn die Kinder das lesen, wird es ihre Sichtweise auf die Realität sofort verändern“?
Die Sichtweise der Olbibianer, insbesondere Rauna, auf die Menschen. Der Blick von außen auf uns Menschen und unsere Erde, aus der Sicht eines hochintelligenten und sehr weit entwickelten Außerirdischen, erweitert den eigenen Blickwinkel sofort. Auch die Tatsache, dass er zugleich blind ist, für die Nachteile, welche die modernen Errungenschaften auf seinem Planeten den Bewohnern gebracht haben. Ihr Planet muss ähnlich gewesen sein wie unsere Erde, doch sie haben alles abgeschafft, was sie nicht kontrollieren konnten, und nun ist ihnen langweilig.
Wenn Eltern und Kinder „Pustelliese und die verkehrte Welt“ abends im Bett gemeinsam zugeschlagen haben – welches Gefühl, welcher Gedanke oder welches Schmunzeln soll dann im Kinderzimmer zurückbleiben?
Auf jeden Fall das Gefühl, dass vieles nicht so ist, wie wir es sehen oder glauben zu wissen, dass es viele Sichtweisen gibt und alles wunderbar miteinander verbunden ist. Dass es viel mehr gibt, viel mehr … außerhalb unserer Wahrnehmung, außerhalb unserer kleinen Welt, auch wenn wir es nicht sehen oder verstehen können. Und dass unsere Welt und unser Leben wunderbar sind und wir es genießen sollten – jeden Tag!
Um für Kinder so zu schreiben, dass sie sich verstanden fühlen, muss man sich selbst gut an diese Zeit erinnern können. Wie viel von deinem eigenen inneren Kind oder deinen eigenen Kindheitserinnerungen an eine ganz eigene „verkehrte Welt“ steckt in der Geschichte?
Ich arbeite seit vielen Jahren mit Kindern. Das Thema Ausgrenzung, modern „Mobbing“ genannt, begegnet mir fast täglich. Viele Kinder fühlen sich so wie Pustelliese oder sind so wie Rosa oder Nock-Nock. Ich konnte mich schon immer gut mit anderen Menschen verbinden und fühlen, wie es ihnen geht. So ein wenig wie „Dunda“ es in meiner Geschichte kann.
Der Kinderbuchmarkt ist riesig, aber jedes Buch trägt die ganz persönliche Handschrift des Erschaffers. Was würdest du sagen, ist deine persönliche „Superkraft“ als Autorin, mit der du die Fantasie deiner kleinen Leser zum Blühen bringst?
Ich führe sie als Erzähler in die Geschichte ein und lasse sie mit mir zusammen beobachten, was gerade passiert. Sie stehen sozusagen neben mir und beobachten und hören die Geschichte gleichzeitig mit eigenen Augen und Ohren. Sie springen mit mir zum Spiegelplaneten, zur Erde, zur Raumstation, und sie wissen immer mehr als diejenigen, welche die Geschichte gerade durchleben.
Neben den Kindern erreichst du mit deinem Buch ja auch immer die Eltern, Großeltern oder Erzieher. Wenn du den Erwachsenen da draußen eine kurze Botschaft oder Erkenntnis von Pustelliese mitgeben könntest, wie würde diese lauten?
Ich glaube, eine Erkenntnis muss jeder selbst erleben, die kann niemand mitgeben. Die Erwachsenen, die dieses Buch bereits gelesen haben, haben viel geschmunzelt und gelacht. Man darf es gerne vorlesen und mitfiebern und lachen. Es bietet auch großartige Vorlagen, um über unsere wunderbare Welt, so wie sie ist, nachzudenken und wohin wir uns entwickeln … vielleicht einmal so wie die Olbibianer? Humor ist ein essentieller Faktor in diesem Buch. Er verbindet Welten.
Beim Erschaffen von fantasievollen Welten entstehen oft die schönsten Momente. Gab es während der Arbeit an „Pustelliese und die verkehrte Welt“ eine bestimmte Szene oder Idee, bei der du selbst beim Tippen laut lachen oder den Kopf schütteln musstest?
Ich lache immer wieder an bestimmten Stellen. Es gibt viele Stellen mit Situationskomik. Eine meiner Lieblingsstellen ist, die, an der Rauna ein erfrischendes Bad im Waldsee nehmen möchte, er springt hinein und in Sekundenbruchteilen wieder hinaus, weil sein Umsiedlungsbeauftragter die Wassertemperatur auf dem Spiegelplanten aus Unwissenheit auf 60° eingestellt hatte. Tja, so perfekt sind die Olbibianer eben auch nicht.
Wie sieht die Schreibwerkstatt einer Kinderbuchautorin aus? Entsteht eine Geschichte wie diese ganz strukturiert am Schreibtisch bei absoluter Ruhe, oder herrscht bei dir beim Schreiben manchmal auch eine herrlich „verkehrte Welt“ voller Trubel und Kreativität?
Nein, kein Trubel. Der herrscht nur im Kopf, wenn die Gedanken und Wörter schneller hinauswollen, als meine Finger tippen können. Ruhe – absolute Ruhe! Am liebsten ganz allein im Haus – niemand weit und breit, der mich stören kann.
Die kleine Pustelliese wird die Herzen der Fans sicher im Sturm erobern. Dürfen wir uns denn schon auf weitere Abenteuer freuen, oder tüftelst du im Geheimen schon an einer ganz neuen Idee, von der du uns hier exklusiv berichten kannst?
Pustelliese und die verkehrte Welt ist nur der erste Band einer geplanten Reihe rund um dieses wunderbare Schwein und seine Freunde. Die ersten Leser wollten alle wissen, wie es weitergeht. Pustelliese wird noch einige Abenteuer erleben dürfen und das vielleicht wichtigste Geheimnis lösen: Wie kommt ein kleines Warzenschwein in den hohen Norden? Bislang weiß niemand, woher sie kommt, in dieser Gegend im hohen Norden, in der Warzenschweine eigentlich nicht vorkommen.
Wir sind schon jetzt ganz verliebt in das kleine Warzenschwein und können es kaum erwarten zu erfahren, welches Geheimnis Pustelliese im hohen Norden lüften wird. Wir freuen uns riesig auf die nächsten Bände und weitere magische Abenteuer!

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