Mit „Rebel Empire“ entführt die Autorin ihre Leserinnen und Leser erneut in eine atmosphärisch dichte Welt voller Spannung, Emotionen und gesellschaftlicher Fragen. Im Gespräch erzählt sie, wie die Geschichte entstanden ist, warum ihre Figuren manchmal ein Stück von ihr selbst in sich tragen und weshalb sie am liebsten schreibt, wenn der Rest der Welt schläft.
Dein neues Buch „Rebel Empire“ hat wieder diesen ganz eigenen Zauber. Was war beim Schreiben der Moment, in dem die Welt für dich „lebendig“ wurde und du wusstest: „Ja, genau so muss sich dieser Ort anfühlen“?
Tatsächlich hatte ich diesen Moment schon lange vor dem eigentlichen Schreiben. Die Idee zu Rebel Empire begann ursprünglich als mein ganz persönliches Herzensprojekt – zu einer Zeit, in der Dystopien auf dem Buchmarkt überhaupt nicht gefragt waren. Trotzdem war ich so verliebt in Luce und Jax, dass ich für mich selbst Pinterest-Boards erstellt, Playlists zusammengestellt und erste Fragmente in meiner Notizen-App gesammelt habe.
Von da an war der Zauber der Geschichte für mich greifbar und hat mich all die Jahre begleitet, bis schließlich ein echtes Buch daraus wurde. Beim Schreiben musste ich mich also nicht erst neu in diese Welt einfinden – vielmehr fühlte es sich an, als würde ich endlich nach Hause kommen.
In deinen Geschichten gibt es oft eine düstere oder melancholische Unterströmung, die einen sofort packt. Welches zentrale Thema oder welchen emotionalen Kern hast du in deinem neuen Werk besonders in den Fokus gerückt?
Für mich sollten Dystopien immer auch eine politische und gesellschaftlich relevante Perspektive eröffnen. Deshalb war es mir wichtig, dass der dystopische Aspekt von Rebel Empire nicht nur der Atmosphäre dient, sondern sich kritisch mit Rebellion und Unterdrückung auseinandersetzt.
In Myra herrscht ein faschistisches Militärregime, das von den beiden Protagonisten aus völlig unterschiedlichen Blickwinkeln erlebt wird. Jax ist ein desertierter Soldat, der dem Grauen mit weiterer Gewalt begegnet. Luce hingegen wächst zunächst privilegiert auf und beginnt erst durch ihre Verbannung auf die Gefängnisinsel Exile Point, die Propaganda des Regimes zu hinterfragen.
Im Kern geht es um Machtlosigkeit, aber ebenso um Empowerment und den Mut, für eine bessere Zukunft zu kämpfen – selbst dann, wenn alles aussichtslos erscheint.
Die Welt deines neuen Titels ist komplex. Wie schaffst du es, Leserinnen und Leser durch all die Details zu führen, ohne dass die Magie der Geschichte verloren geht?
Für mich ist es wichtig, eine immersive Welt zu erschaffen – sowohl für die Lesenden als auch für mich selbst. In meinem Kopf ist die Welt von Rebel Empire ein realer Ort. Ich weiß, wo die Straßen der Stadt verlaufen, wie Exile Point aussieht, wie sich der Sand unter den Füßen anfühlt, wie das Meerwasser auf Luces Haut klebt oder wie sich ihr Hunger anfühlt, nachdem sie tagelang kaum etwas gegessen hat.
Genau dieses Gefühl möchte ich vermitteln. Ich möchte die Welt nicht erklären, sondern sie durch Emotionen und Sinneseindrücke erlebbar machen. Alles andere ergibt sich – hoffentlich – ganz von selbst.
Beim Lesen merkt man, wie viel von dir in deinen Figuren steckt. Gibt es in Rebel Empire eine Eigenschaft, die eine Figur direkt von dir übernommen hat?
Auf gewisse Weise steckt wahrscheinlich in jeder meiner Figuren ein kleines Stück von mir – meistens aber nur in Form einzelner Fragmente.
Bei Luce habe ich allerdings ganz bewusst eine Eigenschaft übernommen, die wir teilen: Sie hat eine leichte Form der Prosopagnosie, also Gesichtsblindheit. Sie kann sich unglaublich gut Texte und Fakten merken, hat aber Schwierigkeiten, sich Gesichter einzuprägen.
Falls ihr mich also einmal auf einer Lesung trefft und ich euch nicht sofort erkenne – bitte nehmt es mir nicht übel. Das liegt wirklich nicht an euch. (lacht)
Deine Beschreibungen sind sehr bildgewaltig. Wenn du die Stimmung deines neuen Buches als Farbe beschreiben müsstest – welche wäre das und warum?
Sturmblau. Ich freue mich unheimlich, dass die Cover genau diesen Farbton perfekt wiedergeben.
Wie sehr überraschen dich deine eigenen Charaktere beim Schreiben? Gab es in diesem Buch Situationen, in denen sie plötzlich ganz andere Wege einschlagen wollten?
Wenn ich anfange zu schreiben, kenne ich mein Ziel bereits ziemlich genau. Ich habe einen Fahrplan, lasse mir aber bewusst Freiraum für den Weg dorthin. So kann ich gemeinsam mit meinen Figuren herausfinden, welche Entscheidungen sich wirklich organisch anfühlen.
Für mich ist es deshalb weniger so, dass die Charaktere gegen meinen Plan arbeiten. Vielmehr entwickeln wir gemeinsam die Geschichte weiter – oder ich überlege mir, wie ich ihnen noch mehr Schwierigkeiten bereiten kann.
Je stärker die Stimme einer Figur ist, desto besser. Tatsächlich hatte ich aber noch nie den Fall, dass ein Charakter etwas völlig anderes wollte als ich. Für mich wäre das eher ein Zeichen, dass an der Geschichte grundsätzlich etwas nicht stimmt.
Leserinnen und Leser sehen am Ende nur das fertige Buch. Was war bei Rebel Empire die größte Herausforderung hinter den Kulissen?
Ganz klar: mein eigenes Zeitmanagement.
Ich bin leider furchtbar darin, kontinuierlich in kleinen Schritten zu arbeiten. Ich funktioniere komplett nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip. Das bedeutet meistens, dass ich mich einige Wochen vor der Deadline vollständig von der Außenwelt isoliere und zu hundert Prozent im Schreibmodus verschwinde.
So anstrengend das manchmal auch ist – ich weiß inzwischen, dass genau dann meine besten Texte entstehen. Deshalb werde ich das wahrscheinlich so schnell auch nicht ändern. (lacht)
Viele Autorinnen und Autoren haben einen festen Ort oder ein bestimmtes Ritual, an dem die Magie erst so richtig fließt. Wie sieht dein Schreiballtag aus, wenn der Flow einmal ausbleibt?
Ein festes Ritual habe ich eigentlich nicht. Was ich aber unbedingt brauche, ist das Gefühl von Sicherheit und Ruhe. Ich möchte wissen, dass mich niemand unterbricht.
Deshalb schreibe ich am liebsten nachts. Dann kommen keine E-Mails mehr, niemand ruft an und ich muss auch nicht plötzlich einkaufen oder andere Dinge erledigen.
Kopfhörer auf, Playlist an, Schreibprogramm im Vollbildmodus – und dann kann es losgehen.
Gab es eine Szene, die du unbedingt schreiben wolltest, letztlich aber streichen musstest, weil sie den Fluss der Geschichte gestört hat?
Glücklicherweise nicht.
Ich bin in solchen Dingen tatsächlich ziemlich gnadenlos. Wenn eine Szene für mich nicht funktioniert, dann fliegt sie raus – und meistens vermisse ich sie danach auch nicht mehr, weil sie eben ihren Zweck nicht erfüllt hat.
Es gibt allerdings eine Szene in Rebel Empire, die aus Luces Perspektive erzählt wird und aus Jax‘ Sicht ebenfalls unglaublich spannend gewesen wäre. Für die Geschichte war das nicht die richtige Entscheidung. Aber wer weiß – vielleicht schreibe ich diese Version irgendwann einmal als Bonus-Content.

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